Il Gonfalone ConfederaleDie letzten hundert Jahre

Il Presidente Nazionale della Fondazione - Cesare SardiDie Konföderation entsteht unter dem Namen „Föderation" 1899 in Pistoia, wo der erste Nationalkongreß der Misericordien stattfindet, der 45 Bruderschaften beitreten.
Bei dieser Gelegenheit wurde auch der erste nationale Vorsitzende in der Person des Mitbruders Cesare Sardi di Lucca ernannt, der das Amt mit Engagement und Hingabe zwanzig Jahre lang ehrte gemäß der Linie, die er in seinem Kongreßbeitrag angekündigt hatte. 

Der zweite Nationalkongreß fand vom 27. bis 28. Mai 1900 in Florenz statt auf Einladung der alten florentinischen Misericordia.
Il primo numero  del Bollettino Confederale (1904)Nach dem Kongreß von Florenz wurde die Veröffentlichung des „Bolletino delle Misericordie" ins Leben gerufen, das bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges erschien.
Während der Kriegszeit leisteten die der Föderation angeschlossenen Misericordien in ihren einzelnen Gebieten intensive Beistands- und Hilfsarbeit und widmeten sich besonders dem schmerzhaften und schweren Bedürfnis nach Hilfe der ansässigen Bevölkerung und der Flüchtlinge.
"Ambulanza della Misericordia" - fotografia (1911)Der erste Kongreß nach Ende des Krieges fand im August 1921 in Prato statt und führte zur Wahl des neuen Nationalvorsitzenden in der Person von Guido Donati aus der Misericordia von Florenz.
In jenen Jahren wurde die Publikation des „Bolletino" wieder aufgenommen, die während der Kriegszeit unterbrochen war, und es wurde die Squadra federale gebildet, um in den zerstörten Gebieten Hilfe zu leisten.
Groß war auch der Beitrag den sie nach den schweren Erdbeben, die in den folgenden Jahren die Garfagnana, den Mugello und die Lunigiana erschütterten.
"Ambulanza della Misericordia" - fotografia (1922)Die Squadra federale war aus 15 der wichtigsten und bestausgerüstetesten Bruderschaften gebildet worden und konnte neben Ärzten und Krankenpflegern auf etwa 200 vollständig ausgestattete Brüder zählen.
Italien stand in jenen Jahren an den Anfängen der Hilfsinitiativen bei Naturkatastrophen, jene Initiativen, die heute vom Zivilschutz bestimmt werden und in die der Staat erst in den letzten Jahren direkt eingegriffen hat. Damals existierten in diesem Sektor nur das Heer und die Formationen der sogenannten „Feuerwehrmänner", die noch nicht in ein Nationalkorps zusammengefügt und nur in einigen Ort präsent waren.
Einige Feuerwehrmannschaften waren unter anderem im Innern der Misericordien selbst entstanden, unter denen wir besonders an diejenigen der Misericordia von Prato und von Viareggio erinnern.
Una squadra dei "pompieri" della MisericordiaDie Schaffung einer Verbandsmannschaft stellte ohne Zweifel eine wichtige Vorwegnahme im Sektor des Zivilschutzes dar.
Ein schwerer Angriff auf die Autonomie und die Zukunft eben dieser Bewegung wurde während der faschistischen Zeit ausgeführt. Das faschistische Regime verabschiedete in seiner Absicht, jede Form von Hilfstätigkeit im Staat zu leiten, das bekannte Gesetz, durch das die Freiwilligenverbände ohne Rechtsperson aufgelöst wurden und verfügte die Konfiszierung ihrer Ausstattungen und ihres Vermögens zugunsten einer verstaatlichten Hilfsorganisation: dem Italienischen Roten Kreuz.Esercitazione di Protezione Civile (1925)
So entstand eine Situation schweren und berechtigten Unbehagens für alle Misericordien, einschließlich derer, die der juristischen Regelung des sogenannten „Crispi-Gesetzes" über öffentliche Wohltätigkeits- und Hilfsinstitutionen unterstellt waren. Sie fürchteten zu Recht eine Anwendung zu ihrem Nachteil der besonderen Verfügungen dieses Gesetzes, die es den öffentlichen Mächten erlaubten, ihre „Konzentration" und sogar ihre „Umformung" in Körperschaften unterschiedlicher Art und unterschiedlichen Charakters zu veranlassen.
Glücklicherweise konnte die Gefahr vermieden werden und die Misericordien behielten meistens ihren unabhängigen Status und die Kontrolle über die Aktivitäten, der ihnen durch das Crispi-Gesetz von 1890 auferlegt war, ohne übrigens ihre Demontage zugunsten des Aufbaus des Italienischen Roten Kreuzes erleiden zu müssen.
"Automezzo di soccorso della Misericordia" - fotografia (1927)Im September 1926 nahm der Souverän sogar am Nationalkongreß von Viareggio teil, um seine Dankbarkeit und die Zuneigung zu den Misericordien zu bezeugen, während beim folgenden Kongreß von Pisa (1930) ein grandioses Übungsmanöver der Squadra Federale stattfand.
Nach dem Tod des Vorsitzenden Donati (2. Dezember 1930) trat in Florenz der Nationalkongreß zur Ernennung des neuen Vorsitzenden zusammen.
Auf diesem Kongreß wurde beschlossen, die Führung der Föderation einem Triumvirat anzuvertrauen, das sich zusammensetzte aus dem Mitbruder Renato Macarini-Carmignani, Angelo Badiani und Paolo Guicciardini.
"Ambulanza della Misericordia" - fotografia (1939)Es folgten andere Tagungen und andere Interventionen der Squadra Federale, die in der Zwischenzeit nicht nur eigene Sektoren in vielen Misericordien gebildet hatte, sondern auch eigene „Feuerwehrkorps" geschaffen, nach dem Vorbild dessen, was einige Bruderschaften schon in den vorhergehenden Jahren realisiert hatten. Dank dieser Verwirklichungen bildete sie in jener Zeit eine der stärksten Hilfsorganisationen nationalen Charakters im Land.
Der Ausbruch des schweren Zweiten Weltkrieges reduzierte die Tätigkeit der Föderation auf nachvollziehbare Grenzen. In ihren verschiedenen Sitzen übten die Misericordien eine äußerst intensive Hilfsarbeit aus, indem sie der Bevölkerung auf unterschiedlichste Art und Weise beistand und in die Rettung von Betroffenen und Verletzten manchmal auch unter dem Toben der Bombardements eingriff.
Zahlreich sind die Mitbrüder, die ihr Leben heldenhaft während der Bombardements und anderer trauriger Episoden des Krieges opferten, als sie versuchten den Verletzten und Bedürftigen Hilfe zu leisten. Die deutschen Truppen plünderten beim ihrem Rückzug vom italienischen Boden 1945 massiv fast alle Sitze unserer Misericordien und schafften Hausrat, sanitäre Ausrüstungen und Krankenwagen fort. Als das normale Leben wieder begann, befand sich die Mehrheit unserer Misericordien in der traurigen Situation, wieder von vorne anfangen zu müssen.
Il Presidente Confederale CremaNachdem die Kriegstragödie beendet war, machte sich die Föderation unverzüglich daran, die Voraussetzungen für die Wiederaufnahme der Arbeit zu stellen. Es wurden Tagungen in Pescia und in Pisa organisiert. In Florenz wurde am 8. Januar 1947 ein Nationalkongreß abgehalten, bei dem über die Verabschiedung des Textes der neuen Statuten, die Aufgaben der föderativen Körperschaft erweitert wurden, die einen ausdrücklich nationalen Charakter erhielt. Bei diesem Kongreß wurde der Mitbruder Angelo Badiani zum Ehrennationalvorsitzenden und der Mitbruder Roberto Crema zum ausübenden Nationalvorsitzenden gewählt. Die veränderte und durch die neuen Energien ihrer Führung belebte Konföderation begann eine breite Palette von Tätigkeiten, die sich nicht wie in der Vergangenheit auf die bloße Koordinierung der Misericordien beschränkte, sondern die notwendige und anspruchsvolle Funktion übernahm, die großzügige spirituelle und organisatorische Bewegung über ganz Italien zu verbreiten.
Der Konföderation wurde außerdem die Aufgabe anvertraut generelle Probleme der Bewegung eingehend zu studieren und deren Sprachrohr in jedem Sitz und vor allem bei den öffentlichen Mächten, namentlich Regierung und Parlament, zu werden.
Seitdem nahm eine Reihe von Nationalkongressen ihren Lauf und der konföderale Vorsitz setzte ein System häufiger Besuche bei den einzelnen Bruderschaften ein und leistete außerdem denen, die besonders in Schwierigkeiten waren, konkrete Hilfe. 

Il Presidente MerliniBesonders groß war das Engagement aller Misericordien beim Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Fahrzeugparks.
In jenen schwierigen, aber an Solidarität und Freiheitswunsch reichen Jahren entstehen zahlreiche neue Misericordien in verschiedenen Teilen Italiens. 1962 stirbt der Nationalvorsitzende Crema bei einem Flugunfall und hinterläßt zwischen seinen Mitarbeitern eine traurige Leerstelle. Auf ihn folgt Alfredo Merlini im Amt des Vorsitzenden, der die Konföderation bis 1985 führte.
1963 wird die Bewegung der FRATRES gebildet, die im Bereich der Blutspende tätig ist..
1985 folgt auf Alfredo Merlini Francesco Giannelli, Mitbruder und Wachleiter der Misericordia von Florenz.Il Presidente Giannelli con il Santo Padre Giovanni Paolo II
Am 14. Juni 1986 werden etwa 10 000 Brüder der Misericordien bei einer Audienz vom Heiligen Vater empfangen. In der überfüllten Aula „Paulus VI." markiert Johannes Paul II. einen Wendepunkt im Leben der Bewegung, indem er klar den Weg der Nächstenliebe aufzeigt, den die Misericordien sich zu eigen machen müssen: „dies ist die Aufgabe, die ich euch anvertraue ... seid Antreiber und Förderer der Kultur der Liebe, seid unermüdliche Zeugen der Kultur der Nächstenliebe.".
Diese Worte bildeten für die Misericordien einen wahren Wendepunkt.
"La Sala Nervi gremita dai Fratelli  all'udienza dal Santo Padre" - fotografia (1986)Die gramerfüllte Aufforderung des Papstes, mit Diensten der Nächstenliebe, den Einsatz für den Aufbau eines neuen Modells von Kultur auf der Basis der Solidarität, des Friedens und des Teilens zu bezeugen, wurde seitdem zu einem konkreten Bezugspunkt für die ganze Bewegung, der sich in neuer Vitalität und neuen Initiativen äußerte.
1989 begann die Konföderation mit der Publikation einer neuen monatlichen Zeitschrift, die den bedeutungsvollen Titel „Kultur der Liebe" erhielt.
1990 nimmt die Bewegung der FRATRES einen autonomen Rechtsstatus an und bildet sich als eigenständige, wenn auch mit der Konföderation verbundene Vereinigung aus mit der Bezeichnung „Consociazione Nazionale Fratres delle Misericordie d'Italia".
"La rivista della Confederazione"Im November 1992 versammelten sich die Misericordien zum ersten Mal in ihrer Geschichte zu einer Welttagung in Florenz mit der Teilnahme von mehr als 200 Delegierten aus allen Kontinenten, die etwa 40 Länder repräsentierten.
Das wichtigste Ergebnis der Tagung war der Einsatz für die Bildung der Europäischen Union der Misericordien, ein Projekt, über das die Meinungen der Repräsentanten der Misericordien Italiens, Portugals, Spaniens, Frankreichs, Monacos, Armeniens, Weißrusslands, Georgiens, Litauens, Moldaviens, Russlands und der Ukraine einstimmig waren.
Am 14. November erinnerte der Papst, der die Misericordien liebevoll grüßte, an folgendes: „Man kann wohl sagen, daß die Misericordien in allen Kontinenten ein friedliches Heer aus Antreibern und Förderern der Kultur der Liebe bilden, unermüdliche Zeugen der Kultur der Nächstenliebe.".
Der Papst bekräftigte seine Aufforderung, „die umsichtige Gegenwart Gottes zu bezeugen", er verabschiedete sich mit einem letzten Aufruf zum Einsatz der Brüderlichkeit: „Es segne die Heilige Jungfrau - sagte Johannes Paul II. - auch die von euch geführten Bemühungen, damit durch die programmatischen Beiträge im Einklang mit Organen und Misericordien anderer religiöser Bekenntnisse die gegenseitige Wertschätzung zwischen den Gläubigen wächst, so daß die Ankunft der wirklichen Kultur der Liebe zwischen den Menschen guten Willens beschleunigt wird.
"La missione in Bosnia"Ausgehend von dieser Aufforderung übernahm die Konföderation den Einsatz dafür im Geiste der Nächstenliebe, Kontakte, Zusammenarbeit und Beziehungen zu Brüdern unterschiedlichen Glaubens und besonders zu den muslimischen Brüdern in Italien und in ihren Herkunftsländern zu entwickeln.
Diese Bemühung brachte zwei wichtige Resultate: Im Januar 1993 organisierten die Misericordien zusammen mit einer karitativen Organisation islamischen Glaubens (die Human Appeal International) zwei Hilfskolonnen für die muslimische Bevölkerung, die schwer vom laufenden Bürgerkrieg auf den Gebieten des ehemaligen Jugoslawiens getroffen wurde.
Anfang Juni 1994 wurde in Florenz das 1. Christlich-Islamische Seminar gehalten, das die Analyse dreier Krisengebiete in den Mittelpunkt stellte: den Sudan, der sich mitten im Bürgerkrieg befand und dem schwierigen Zusammenleben zwischen Christen, Muslimen und Animisten unterworfen ist, Irak-Kuwait, wobei es in erster Linie um das Problem der Freilassung von 1000 kuwaitischen Bürgern ging, die seinerzeit in den irakischen Gefängnissen festgehalten wurden, und schließlich den vom Bürgerkrieg zerrissenen Kaukasus. Die Tagung endete mit einem Moment großer Spiritualität, in dem sich Katholiken, Orthodoxe und Moslems in einem Gebet um Hilfe und Hoffnung auf den barmherzigen Gott vereinten.
"La nuova divisa in dotazione alla Protezione Civile Confederale"1995 wurde die U.G.E.M. (Ufficio Gestione Emergenze di Massa) gebildet, der über ein spezifisches Reglement die Aufgabe anvertraut ist, die Tätigkeiten des Zivilschutzes der Konföderation zu reorganisieren. Die Konföderation konnte dank der neuen Strukturen bei der Überschwemmung in Versilia (1996) und im Erdbeben in Umbrien und den Marken (1997) eingreifen.

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