Gründung
Die Verabschiedung des Statuts ist der Schlußakt der Tagungsarbeiten in Pistoia vom 24. und 25. des vorangehenden Septembers (1899), in deren Verlauf sich die Misericordien zum ersten Mal in der Geschichte versammeln, um vereint über ihre Erfahrung zu diskutieren und einen gemeinsamen Weg in die Zukunft zu skizzieren.
Die Initiative, einen Kongreß einzuberufen, stammt von der Misericordia von Pistoia, die anfänglich beabsichtigt, ihn anläßlich der Feierlichkeiten zu ihrem eigenen vierhundertsten Jahrestag (1500-1900) abzuhalten, aber aufgrund einer guten Gelegenheit scheint es ratsam, ihn vorzuziehen.
Aber aus besonderen Gründen und zum Wohle und im Interesse nicht nur der antragstellenden Institution sondern auch aller Schwestergesellschaften wurde folgerichtig beschlossen, die Zusammenkunft eines solchen Kongresses vorzuziehen und ihn in jenem letzten Jahr des zu Ende gehenden Jahrhunderts (in dem unseren verdienstvollen Institutionen so viele Wunden zugefügt wurden) zu halten, damit jene im Morgengrauen des Jahrhunderts, das im Aufgang begriffen ist, schon die Vorteile genießen, die ihnen aus einer heiligen und festen Föderalen Liga erwachsen werden" (Proömium - Akten des 1. Nationalen Kongresses, Pistoia, 24. September 1899)
Das Abhalten des Kongresses erwies sich sofort als problematisch.
Die Kommission, die am 14. Januar 1899 einberufen wurde, um das nationale Treffen zu organisieren, hatte Schwierigkeiten, alle existierenden Bruderschaften zu ermitteln. Jahrhundertelang hatten die Kontakte gefehlt, und jede Gesellschaft hatte eine eigene autonome Entwicklung erfahren, die auf ihre lokale Realität eingeschränkt gewesen war. Jetzt sollte die Kommission die auf das Territorium verteilten Misericordien wieder suchen, kontaktieren und zu einer gemeinsamen Stelle zurückführen, wo sie sich trotz der jahrhundertelangen Entfernung als Schwestern entdecken würden.
Die Aufgabe erschien als schwer und es gelang der Kommission, sie wenigstens teilweise zu erfüllen dank der versicherten Mitarbeit einiger Diözesen. Am Ende der Nachforschungen wurden 77 Misericordien ermittelt, an die die Kommission das Einladungsrundschreiben verschickte. Nur 45 davon antworteten auf den Aufruf (9 davon nur brieflich). Die Versammlungen vom 24. und 25. September erfuhren die aktive Teilnahme von nur 36 Misericordien, von denen sich 7 per Auftrag vertreten ließen.

Unter den Anwesenden befanden sich die Repräsentanten der großen Bünde der führenden Städte der Toskana, aber auch Vertreter der kleinen Gesellschaften des äußersten Randgebietes.
Der Beitrag gerade dieser kleinen Gesellschaften zur Debatte ist bezeichnend, so wie es sich aus den Protokollen des Kongresses ergibt. Sie beweisen eine wahrhaft überraschende Vitalität und Aufmerksamkeit gegenüber der historischen Entwicklung. Die Tagungsarbeiten, die am 25. September enden, bestätigen den Grafen Cesare Sardi, Vertreter der Misericordia von Lucca und der Misericordia von Borgo in Mozzano, als ersten Vorsitzenden der Misericordien.
Die Schlußrede (vollständig veröffentlicht in der Dokumenten-Abteilung des Ortes) des Grafen Sardi skizziert das Profil der neugegründeten Föderation und der entstehenden Bewegung. Die Kommission, die mit der Veröffentlichung der Akten beauftragt war, beendete das Dokument folgendermaßen:
Wir wollen uns daran erinnern, daß nach der feierlichen Proklamierung der Entstehung der Föderation beim Kongreß von Pistoia, Freud und Leid eines einzelnen unserer Institute wahrhaft zu Freud und Leid aller geworden sind." (Akten des 1. Kongresses)